Mit unseren Ridgebacks der Natur auf der Spur
asp.- Über zwanzig Ridgebacks mit ihren Herrchen und Frauchen fanden sich am letzten August-Wochenende im Wildpark Lüneburger Heide zu einem ebenso lehrreichen wie vergnüglichen Ausflug zusammen: Unsere Hunde auf die Begegnung mit Wildtieren zu „prägen“ und sie gleichzeitig „in der Meute“ mit andern Artgenossen und mit vielen fremden Menschen zu führen, war das Ziel auch des Junghundetags 2008. Die Organisation lag wiederum in den bewährten Händen von E.L.S.A.-Junghundeberaterin Sigrid Römer, die auf vielfachen Wunsch den Treffpunkt nach Norden verlegt hatte.
„Der Natur auf der Spur“ lautet das Motto des südlich von Hamburg am Rande der Lüneburger Heide gelegenen Wildparks, der sich im Rahmen verschiedener Europäischer Erhaltungszuchtprogramme um die Belange des Artenschutzes z.B. für Wisente, Moschusochsen, Schneeleoparden sowie Birk- und Auerwild kümmert. In der großräumigen, reizvollen Heidelandschaft leben rund tausend Tiere vor allem einheimischer Arten.
„Alles Jagdwild für uns!“ mögen sich die großteils noch jungen Ridgebacks gedacht haben, die sich am Samstagvormittag am Eingang zum Heide-Wildpark einfanden. Wie auch anders? Schließlich wurden unsere Hunde lange genug im südlichen Afrika genau für solchen jagdlichen Einsatz gezüchtet – wenn auch eher auf afrikanische Arten wie Löwe und Leopard anstatt auf Wisente und Moschusochsen. Und genau darum ging es: Gewöhnung an Wildtiere soll mithelfen, den im Ridgeback durch züchterische Selektion über die Jahrzehnte verankerten Jagdtrieb zu kontrollieren.
Die Frage „Jagt er?“ wird unseren Züchtern immer und immer wieder gestellt – ein Schelm, der darauf mit „nein“ antwortet, denn schließlich wurde der Rhodesian Ridgeback von den Pioniersiedlern im südlichen Afrika als Bewacher von Farm und Familie und als Jagdbegleiter vor allem auf Großwild gehalten. Und was über Generationen durch selektive Zucht angestrebt wurde, lässt sich nicht so leicht von einem Tag auf den andern „abgewöhnen“, nur weil es heute nicht mehr in unsere Gesellschaft und in unseren Alltag passt. So gibt es denn eigentlich zwei Strategien, mit der Problematik umzugehen, die im Club E.L.S.A. gleichermaßen verfolgt werden: Zum einen die gezielte jagdliche Ausbildung des Ridgebacks und den Einsatz als Jagdbegleiter auch heute noch. Zum andern sollen Hundehalter ohne jagdliche Ambitionen lernen, die Jagdpassion ihres Ridgebacks unter Kontrolle zu bekommen, denn unkontrolliert wildernde Hunde werden in unserer dicht besiedelten Landschaft zum Problem und zur Plage. Dazu beizutragen ist eines der Ziele unseres Junghundetags.
Dass Wisente und Moschusochsen mit ihrer unbändigen „Durchsetzungskraft“ nicht unbedingt „Schmusepartner“ für junge Ridgebacks sind, versteht sich von selbst. Wohl aber gab es bei den Hirschen im großen Freigehege einige hautnahe Begegnungen, die unseren Ridgebacks gehörig Eindruck machten: Fast Nase an Nase mit „Bambi“ zu stehen, sind sie denn doch nicht gewohnt. Und für die Zweibeiner war es höchst beeindruckend zu sehen, dass der Hund eben vor allem dann zum Verfolger wird, wenn das Jagdwild die Flucht ergreift und damit den Hetztrieb beim Hund auslöst. Bleibt der Hirsch indes stehen, wie dies bei den vertrauten Tieren im Lüneburger Wildpark geschah, so lernt der Hund seinen „Gegner“ sozusagen von einer neuen Seite bzw. von nah kennen: was nicht wegläuft, muss auch nicht gehetzt werden. So mancher Jung-Ridgeback dürfte an diesem Tag sein Aha-Erlebnis gehabt haben!
Nach einem eineinhalbstündigen Spaziergang wartete im Restaurant des Wildparks ein Mittagsbüffet. Anschließend konnte jeder, der noch Lust hatte, das Gelände auf eigene Faust erkunden. Unsere kleinsten vierbeinigen Teilnehmer vergnügten sich derweil mit „ihren“ Menschen auf den Flächen vor dem Park.
Bei gemeinsamem Kaffeetrinken und Kuchenessen verarbeiteten die Zweibeiner anschließend ihre Eindrücke, während die Vierbeiner auf ihrer Decke daneben wohl von zahmen Hirschen und wilden Hunden träumten. Und natürlich wollen viele Teams auch am nächsten Junghundetag wieder dabei sein – das schönste Dankeschön an Junghundefrau Sigrid Römer und ihre Helfer. Besonderer Dank geht an die beiden Fotografinnen Sabine Mull und Kerstin Zimpelmann!