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Quo vadis RR-Show Szene?

Mai 2014

Am Wochenende fand in Dortmund die Europasiegerschau, organisiert vom VDH und unter der Sonderleitung des Club ELSA, statt. Wie immer viele ehrenamtliche Helfer, zwei engagierte Richter und insbesondere bei den Rüden riesige Meldezahlen. Schon vor Beginn des Richtens um 9 Uhr wurde eine Startnummer zurückgegeben, „der Hund werde nicht vorgestellt, es gehe ihm nicht so gut". Viele Stunden später, kurz vor dem Ende des Richtens, entstand außerhalb des Rings eine plötzliche Unruhe. Ich wurde als Tierarzt herangerufen.  Ein Hund war kollabiert, schon nach den ersten stabilisierenden Maßnahmen war in Sekundenschnelle (hier ein ganz dickes Lob an das Team des VDH) das Notfallteam vor Ort. Der Hund wurde sofort mit dem Ambubeutel beatmet und schnell auf einer Trage aus der Halle gebracht. Wir hielten die Daumen, dass er es schafft. Zwischenzeitlich wurden die letzten Rüden gerichtet, es war fast 16.00Uhr. Das ELSA Team erhielt keine weiteren Infos zum aktuellen Zustand des Hundes. Nach Veranstaltungsende ermittelten wir den Namen des betroffenen Tieres. Es war der Hund, der am frühen Morgen vom Start zurückgezogen worden war. Auf Nachfrage bei der Besitzerin wurde uns mitgeteilt, daß der Rüde trotz aller tierärztlichen Bemühungen leider verstorben sei.

Dieser tragische Zwischenfall sollte uns als Anlass dienen innezuhalten und einen Blick auf die Entwicklung und einige Auswüchse in der  heutigen Showszene bei unseren Ridgebacks zu werfen, wohl wissend nur die Spitze des Eisbergs sehen zu können! Definitiv vorbei sind die Zeiten des LDDR vor nunmehr fast zwanzig Jahren, als sich bei der alljährlichen Clubschau im Schlosspark Züschen ungestylte Hundebesitzer mit ihren Hunden im „Alltagshalsband" locker präsentierten!

Mittlerweile hat sich der Rhodesian Ridgeback nicht nur zu einem Modehund, sondern auch zu einem überaus beliebten Ausstellungshund entwickelt. Besonders „Mammutschauen“ in meist überfüllten Hallen stellen schon für einen gesunden Ridgeback einen echten Stresstest dar, jeder Besitzer muss sich dieser Situation bewusst sein und entsprechend vorsorgen. Um den Ehrgeiz mancher Halter zu befriedigen wird von Schau zu Schau getourt, mitunter ohne jede Rücksicht auf die Hunde. Bekanntermaßen wurden schon schwer kranke Hunde mit Medikamenten gedopt, damit sie noch auf der ein oder anderen Supershow präsentiert werden konnten. Wenn es auf den überlaufenen Ausstellungen in Deutschland nicht funktioniert, werden die Hunde bis ins letzte Eck Europas gekarrt, bis es zum Championtitel reicht. Da werden Augenlider operativ gestrafft, Zähne mit Spangen gerückt, weiße Brustflecke gefärbt, dem Fell mit ordentlich Spray mehr Glanz verliehen, um nur einige der mehr oder weniger einschneidenden Manipulationen zu nennen. Jetzt schwappt auch noch die angelsächsische Sitte des „Profihandlings“ zu uns herüber: „Berufsaussteller“ präsentieren für teures Geld Hunde anderer Besitzer, um diesen zu besseren Showergebnissen zu verhelfen. Erwachsene Hunde werden für ein bis zwei Jahre auf einen anderen Kontinent verbracht, um geshowt und züchterisch verwertet zu werden. Und das alles mit unseren doch so ursprünglichen, mimosenhaft sensiblen Hunden!

Aus all diesen Gründen hat der Vorstand des Clubs ELSA beschlossen ein Zeichen zu setzen: „Best of ELSA“ wird ab sofort nicht mehr für akkumulierte Ausstellungserfolge vergeben! Dies ist auch ganz im Sinne von Dirk Strackbein, der Best of ELSA ins Leben gerufen hat.
ELSA ist ein Zuchtverein, der sich dem Wohl und der Sicherung des Fortbestands der Rasse verschrieben hat und in diesem Sinn gibt es weit wichtigere Qualitäten wie zum Beispiel Gesundheit, Langlebigkeit, Wesen, Leistungsveranlagung und vieles mehr, die in Zukunft prämiert werden sollen. Weder ein Championtitel noch eine riesige Latte erzielter Ausstellungsergebnisse sind letztlich entscheidend für die Qualität eines Zuchthundes.

Um jedes Missverständnis auszuschließen, wir alle stellen gelegentlich aus und holen uns das objektive Urteil eines erfahrenen Zuchtrichters über unsere Hunde ein, wir sehen Ausstellungen im positiven Fall als einen Spiegel des aktuellen Zuchtgeschehens, und das soll auch so bleiben! Auswüchse in der Ausstellungsszene aber, die auf dem Rücken unserer Hunde ausgetragen werden, müssen wir anprangern!

Dr. med. vet. Cornelia Renczes
Zuchtleitung Club ELSA