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Der Ridgeback in Deutschland, ein Hund für Jedermann?

In Deutschland führte Rosy Brook-Risse den Ridgeback in den fünfziger Jahren ein, Carl Ludwig von Geibler brachte seine Hunde im Jahre 1963 aus Deutsch-Südwestafrika mit nach Deutschland. Im selbem Jahr wurde sein erster Wurf aus planmäßiger Zucht unter dem Zwingernamen "aus dem Skaaprevier" in das Deutsche Sammelzuchtbuch des VDH eingetragen. Für Rosy Brook-Risse wurde der erste Wurf unter dem Zwingernamen "Johokwe" 1967 eingetragen.
Im VDH existieren heute drei diese Rasse betreuende Vereine.

Ridgebacks besaßen und besitzen eine hohe Reizschwelle, ausgeprägte Überlebensklugheit und blitzschnelle Entscheidungsfähigkeit sowie hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit einem Partner, der seine Kompetenz unter Beweis gestellt hat. Diese Hunde stellen als zuverlässige Begleiter, als vollintegrierte Beschützer ihrer Familien und auch als Jagdgefährten ihre Daseinsberechtigung unter Beweis. Doch als die wahrhaft großen Jäger, als welche die Ridgebacks entstanden sind (und die sie immer noch in unglaublichem Maße sind!), finden sie in unserem zivilisierten Umfeld nur noch Bruchstücke ihrer einstigen Lebensverhältnisse vor - und wahrhaft große Jäger oder "Leitwolf-Menschen" sind auch unter uns sehr selten geworden!

Der Ridgeback ist vor allem ein Partner, der engen Kontakt braucht, der ausgiebige Bewegung benötigt und Aufgaben, deren gemeinsame Bewältigung mit seinem menschlichen Leitwolf ihm viel Freude bereitet.

Es ist unabdingbar, dass jeder, der einem Ridgeback gerecht werden will, sich im Verhaltensinventar von Wölfen auskennt und entsprechend seinen Hund zu verstehen und zu führen sucht. Wie jeder große, kräftige Hund bedarf der Rhodesian Ridgeback in unseren kultivierten Lebensverhältnissen einer kompetenten Führung und angemessenen Beaufsichtigung.

Charaktereigenschaften: Der Rhodesian Ridgeback ist ein noch sehr ursprünglicher Hund mit intakten kompletten Verhaltensketten und großer Ernsthaftigkeit. Er ist ausgeglichen, nervenfest und ohne Heimtücke - und er reagiert niemals blindlings. Innerhalb seines "Rudels", der Familie, ist er freundlich, anschmiegsam und anhänglich. Er besitzt ausgeprägtes Territorialverhalten, bewacht seine Sippe, Haus und Hof ohne besondere Ausbildung; für "sportliches Beißen" im Schutzdienst ist er jedoch völlig ungeeignet. Seine Jagdleidenschaft liegt ihm im Blut und sollte sinnvoll gelenkt werden.

Der Ridgeback ist hochsensibel und verträgt lautstarke, harte und ungerechte Behandlung nicht. Er ist ein spätreifer Hund und lange lernbereit und -fähig. Für eine Haltung im Zwinger ist er in keinem Fall geeignet. Ebenso taugt er nicht zum Innenstadthund in einem wenig natürlichen Lebensraum, hier wird ein Ridgeback mit seinem unverfälschten Verhaltensrepertoire auf Dauer verkümmern. Die Folgen reichen von Krankheiten und Verhaltensstörungen bis zum sprichwörtlichen "Schattendasein". Eine Neigung zu Erbkrankheiten zeigt die Rasse bisher nicht. Hingewiesen sei allerdings auf die sogenannte Dermoid Sinus, einen selten auftretenden Unterhautdefekt, der ebenso wie Ridgelosigkeit seit 1924 zum Zuchtausschluss führt. Auch die Ernährung sollte artgerecht aus Frischkost (Fleisch, Gemüse etc.) bestehen - Fertigfuttermittel werden erfahrungsgemäß schlecht vertragen und führen auf Dauer beim Ridgeback zu gesundheitlichen Schäden.

Es ist eine große Verantwortung aller, die diese Rasse züchten und halten, den heranwachsenden Welpen die persönliche Zuwendung und die natürliche Umgebung zu bieten, die die großartige Veranlagung dieses Hundes entfalten und die er zum Wohlbefinden braucht. Die verfehlte Frühprägung wirkt beim Ridgeback besonders tragisch, ein verkümmerter Junghund bleibt ein Zerrbild dessen, was in ihm steckt und auch später niemals mehr zur Entfaltung kommt. Weder gehören diese Naturburschen in gekachelte Sterilität, in der sie wie wertvolle Puppen behandelt werden, noch gehören sie in Schuppen, Ställe oder Scheunen, abseits des menschlichen Alltags, etwa nur mit einer Videoeinrichtung überwacht.

Welpen dieser sehr ursprünglichen Rasse nur in geeignete Hände abzugeben, ist eine ebenso bedeutsame Verpflichtung. Sie sind bei aller Gutartigkeit keine Hunde für den Ersthalter, sondern sehr spezielle Persönlichkeiten mit einem ausgeprägten Verhaltensrepertoire und großer Sensibilität, die Erfahrung in Hundeverhalten voraussetzt.

Die Absurdität der Einbeziehung des Rhodesian Ridgebacks in Kampfhund-Diskussionen wird exemplarisch aus der Entstehungsgeschichte dieses Hundes und den Wesensmerkmalen der Rasse deutlich. Aufgrund seiner fest verankerten, gesunden Instinkte, insbesondere wegen seiner Vorsicht und Besonnenheit in Auseinandersetzungen ist der Ridgeback für jede Art von Verwendung in der sogenannten "Szene" gänzlich ungeeignet. Er wurde nie auf Aggression gezüchtet !

Der Rhodesian Ridgeback ist durch besondere Selektion entstanden, er ist sicherlich eine der interessantesten Rassen, die von Menschen und Wildnis geformt wurden. Von wahrem Hundeverstand zeugt es, sich im Zweifel diesen ursprünglichen Buschjäger - nicht anzuschaffen!